Initiative Herforder Tageseltern

Für Transparenz und verlässliche Rahmenbedingungen in der Kindertagespflege

Willkommen auf den Seiten der Initiative Herforder Tageseltern!

Wir sind ein Zusammenschluss von Tagespflegepersonen in Herford. Uns verbindet die tägliche Arbeit in der Kindertagespflege und die Verantwortung für eine verlässliche, familiennahe Betreuung von Kindern unter drei Jahren.

Unser Arbeitsfeld befindet sich momentan in einem Prozess grundlegender Veränderungen. Die Stadt Herford hat die Richtlinien zur Kindertagespflege angepasst. Mit den neuen Richtlinien, die seit August 2025 in Kraft sind, verändern sich zentrale Rahmenbedingungen für alle in der Stadt tätigen Tageseltern.

Auf diesen Seiten geben wir einen Einblick in unsere Arbeit und darüber, wie sich die Veränderungen auf unsere Tätigkeit und die U3 Betreuungslandschaft insgesamt auswirken.

Mehr Planungsdruck im U3-Betreuungssystem

Wie investive Mittel künftig an die Bedarfsplanung gekoppelt werden

Gesetzlicher Auftrag trifft auf eine veränderte Realität

Kommunen sind gesetzlich verpflichtet, für Kinder unter drei Jahren ausreichend Betreuungsplätze bereitzustellen. Dieses Angebot soll verlässlich funktionieren – unabhängig davon, ob der Bedarf gerade steigt, sinkt oder schwankt.

Gleichzeitig ist die Lebensrealität von Familien heute deutlich vielfältiger und weniger vorhersehbar als früher. Geburtenzahlen schwanken, Familien ziehen häufiger um, Arbeitszeiten sind flexibler oder unregelmäßig. Dadurch verändert sich auch der Betreuungsbedarf: Manche Familien benötigen sehr früh einen Platz, andere nur für kurze Zeit oder mit wechselndem Umfang.

Um unter diesen Bedingungen handlungsfähig zu bleiben, versuchen Kommunen, das gesamte U3-Betreuungssystem stärker zu steuern. Dazu werden Bedarfe erfasst, gezählt, verglichen und regelmäßig überprüft. Planung orientiert sich zunehmend an Zahlen, Prognosen und festgelegten Bewertungsmaßstäben.

Wir sprechen von einem Paradigmenwechsel in der Kindertagespflege und meinen damit einen grundlegenden Wandel der bisherigen Planungs- und Steuerungslogik.

Warum wir uns als Tageseltern an dieser Stelle zu Wort melden

Wir melden uns zu Wort, weil diese Veränderungen nicht nur organisatorischer Natur sind, sondern unmittelbare Auswirkungen auf den Alltag von Kindertagespflegepersonen und somit auch auf Familien und Kinder haben, die auf verlässliche Betreuung angewiesen sind.

Damit das Angebot stabil bleibt, braucht es Rahmenbedingungen, die fachlich tragfähig, transparent und langfristig planbar sind.

Aktuell erleben viele Tageseltern jedoch wachsenden Planungsdruck, steigende Anforderungen und gleichzeitig sinkende Einflussmöglichkeiten. Entscheidungen und Steuerungslogiken ändern sich – oft ohne dass für Betroffene nachvollziehbar ist, wie sie zustande kommen und welche Folgen sie langfristig haben.

Genau hier setzt unsere Initiative an: Wir möchten diese Zusammenhänge sichtbar machen und eine sachliche Grundlage für Austausch schaffen. Es geht uns nicht um pauschale Bewertungen, sondern darum verständlich zu erklären, warum sich mit der neuen Steuerungslogik etwas grundsätzliches verschiebt und warum wir es für nötig halten öffentlich darüber zu sprechen.

Unser Ziel ist Transparenz: Für Tageseltern, für Eltern und für alle, die Verantwortung für Qualität in der U3 Betreuung tragen.

Neue Planungsgrundlagen durch die Richtlinien ab August 2025

Wie investive Mittel künftig an die Bedarfsplanung gekoppelt werden

Ein zentraler Bestandteil der aktuellen Richtlinien ist die koppelung investiver Entscheidungen an die kommunale Bedarfsplanung. Diese Regelung bildet die Grundlage dafür, wie über die Weiterentwicklung der Kindertagespflege entschieden wird.

Platzquote als planerischer Maßstab

Um Eltern weiterhin eine Wahlmöglichkeit zwischen Kindertageseinrichtung und Kindertagespflege zu ermöglichen, legt die Stadt eine Platzquote für die Kindertagespflege im Verhältnis zu den Kitaplätzen fest. Diese Quote wird auf kommunaler Ebene beschlossen und vierteljährlich überprüft.

Steuerung über einen +- 10% Korridor

Die Richtlinien sehen vor, dass sich Entscheidungen über investive Mittel innerhalb eines Korridors von +- 10% an dieser Platzquote orientieren. Die Ausgestaltung der Kindertagespflege erfolgt also innerhalb eines strukturellen Rahmens, der individuelle Spielräume zwar wahrt, aber auch klare Grenzen setzt.

Konkrete Auswirkungen auf den Arbeitsalltag von Tageseltern

Abhängigkeit von Bedarfszahlen bei investiven Entscheidungen

Entscheidungen über

  • Die Erweiterung von Plätzen,
  • räumliche Veränderungen, und
  • konzeptionelle Weiterentwicklungen

können künftig nicht mehr allein aus der bestehenden oder absehbaren Nachfrage heraus entwickelt werden, weil sie mit der Beantragung investiver Mittel in Zusammenhang stehen. Sie stehen künftig unter dem Vorbehalt planerischer Bedarfsbewertungen.

Kindertagespflege lebt davon, dass sie sich weiterentwickeln kann: durch Anpassung an familiäre Bedarfe, oder durch räumliche oder konzeptionelle Veränderungen. Wenn solche Entwicklungen künftig stärker an Bedarfszahlen und planerische Bewertungen gekoppelt werden, entsteht eine neue Hürde. Entscheidungen sind nicht mehr unmittelbar nachvollziehbar und Tageseltern sind von Bewertungen abhängig, die sie selbst nicht mehr beeinflussen können.

Zusammenschlüsse und Großtagespflege

Auch Zusammenschlüsse bzw. die Weiterentwicklung einer Kindertagespflege zu einer Großtagespflege ist nicht mehr ohne weiteres möglich. Bisher haben Tagespflegepersonen hauptsächlich selbst entschieden, ob sie diesen Schritt gehen möchten. Sofern jedoch durch einen Zusammenschluss zusätzliche Plätze entstehen, die Investitionen erfordern, wird dies künftig stärker in Abhängigkeit von der Bedarfsplanung entschieden.

Weniger Entscheidungsspielraum bei gleich bleibender Verantwortung

Tagespflegepersonen sind selbstständig tätig. Sie tragen weiterhin die

  • wirtschaftliche Verantwortung
  • organisatorische Verantwortung
  • pädagogische Verantwortung

Gleichzeitig verschiebt sich der Entscheidungsspielraum. Entscheidungen, die früher stärker aus der eigenen fachlichen Einschätzung heraus getroffen werden konnten, hängen heute zunehmend von übergeordneten Bewertungen ab.

Wenn gleichzeitig:

  • Entscheidungsspielraum kleiner wird
  • zentrale Entwicklungsfragen von externen Bewertungen abhängen

entsteht eine wachsende Diskrepanz zwischen Verantwortung und Einflussmöglichkeiten.

Die beschriebenen Veränderungen zeigen sich zunächst im Arbeitsalltag der Tageseltern. Sie betreffen Planung, Entwicklungsmöglichkeiten und die Frage, wie selbstständig Kindertagespflege künftig noch gestaltet werden kann.

Gleichzeitig gehen diese Entwicklungen über individuelle Situationen hinaus. Sie verändern die Rolle der Kindertagespflege im gesamten U3-Betreuungssystem. Was sich aktuell verschiebt, ist nicht nur die Ausgestaltung einzelner Rahmenbedingungen. Es ist die Art und Weise, wie Betreuung im U3-Bereich geplant, gesteuert und weiterentwickelt wird – und welche Bedeutung der Kindertagespflege dabei künftig zukommt.

Wandel in der U3 Betreuungslandschaft

Lange Zeit wurde die Betreuung von Kindern unter drei Jahren von zwei gleichwertigen Säulen getragen: Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege. Beide Betreuungsformen ergänzten sich, reagierten auf unterschiedliche Bedarfe von Familien und trugen gemeinsam zur Vielfalt und Stabilität der Betreuungslandschaft bei.

Mit der stärkeren Ausrichtung an Bedarfserhebungen, Planungszahlen und zentralen Steuerungsmechanismen entwickelt sich die U3-Betreuung jedoch hin zu einem enger geführten Gesamtsystem. Dabei werden beide Betreuungsformen stärker miteinander verzahnt – jedoch unter unterschiedlichen Voraussetzungen:

Kindertageseinrichtungen sind institutionell eingebunden, planungsfest und strukturell abgesichert. Kindertagespflege bleibt eine selbstständige Betreuungsform, trägt weiterhin individuelles Risiko, wird aber zunehmend in dieselbe Steuerungslogik eingebunden.

Diese unterschiedlichen Ausgangslagen führen dazu, dass gleiche Steuerungsinstrumente unterschiedliche Auswirkungen haben. Was für institutionelle Strukturen häufig planbar und auffangbar ist, kann für selbstständig tätige Tageseltern existenzielle Bedeutung haben.

Die Kindertagespflege bewegt sich damit in einem Spannungsfeld zwischen Selbstständigkeit und Steuerung, zwischen Verantwortung und eingeschränkten Einflussmöglichkeiten sowie zwischen hoher pädagogischer Qualität und wachsender Planungsunsicherheit.

Diese Unterschiede sichtbar zu machen, ist unserer Meinung nach entscheidend, um die Auswirkungen der aktuellen Entwicklungen realistisch einordnen zu können.